Evangelische Kirchengemeinde Castrop-Rauxel-Nord

Kurzandacht 3. Sonntag nach Trinitatis - Inspiration und Download

Bibelstelle

Johannes 15,10-12

Kurzandacht 

„Und du denkst, dein Herz schwappt dir über. Fühlst dich vom Sentiment überschwemmt. Es sind die einzigartigen Tausendstel-Momente. Das ist, was man Sekundenglück nennt.“ – Das singt Herbert Grönemeyer in seinem Lied „Sekundenglück“.

Aber was ist eigentlich Glück? Da gibt es das Glück – im Sinne von „Schwein haben“ … Das Erste, woran Menschen denken, wenn sie von Glück reden, ist häufig ein Sechser im Lotto: Da habe ich Glück gehabt. Glück ist dann ein zufälliges Ereignis, das sich positiv auf unser Leben auswirkt. Zu diesem Glück kann man nichts beitragen. Das Glück hat man oder hat man nicht. Der Engländer sagt dazu „luck“, der Lateiner „fortuna“, der Deutsche „Schwein“.

Dann gibt es aber noch Glück im Sinne von „happiness“ oder „pleasure“. Glück ist dann ein Vergnügen, ein Wohlbefinden. Hier kann ich etwas dazu beitragen, dass ich glücklich bin …

Das, was mich glücklich macht, können dabei ganz unterschiedliche Dinge sein: Ein Abend mit Freunden und einem guten Whisky, eine Radtour an der Lahn, eine gute Note in der Mathearbeit, ein Konzert, ein Sonnenuntergang. - Ein solches Glück kann man fördern.

Dazu rät uns auch die Bibel: „Da merkte ich, dass es nichts Besseres gibt, als fröhlich zu sein und sich gütlich zu tun in seinem Leben“ (Prediger 3,12). Also: wir können und sollten uns Dinge suchen, die uns glücklich machen! Wir dürfen Glück genießen. Dabei hilft es manchmal klug vorzugehen. Nehmen wir einmal an: Sie sind ein Fußballfan. Da hilft es doch, sich einen Verein zu wählen, der regelmäßig die Meisterschaft gewinnt und nicht Fan von Borussia Dortmund oder Schalke zu werden …

Glück ist dabei häufig zerbrechlich (eben Sekundenglück) … zerbricht oft an Kleinigkeiten: Ein schöner Spiele-Abend mit der Familie kann ein jähes Ende finden, wenn man bei Mensch-ärger-dich-nicht ein zehntes Mal in Folge verliert …

Es geht aber auch andersrum: Man kommt nach einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause und das Kind fliegt einem freudestrahlend um den Hals …

Das kennen wir also auch: Dass da plötzlich so ein Glücksgefühl in Dir aufsteigt, wie ein kleiner Blitz, eine Sekunde, die den Alltag unterbricht und in ein neues Licht taucht. „Alles leicht“, „alles weit“ – singt Grönemeyer. Dann „ist der Tag alles, außer gewöhnlich. Und leider gibt‘s auch kein Problem.“ Nichts, was uns gerade einfiele, was das Glück eintrüben könnte. Nichts, was es zu bemeckern gäbe. Wir spüren die Freude, sie unterbricht den Ärger, den Frust, das Negative. „Und Du denkst, Dein Herz schwappt Dir über…“, singt Herbert Grönemeyer. Jetzt darf neues Glück sein: „An dem Tag an dem Du kommst wird’s regnen“, -aber das ist nicht wichtig; wichtig ist das danach: „Du wirst mit Zauber mir begegnen“. Das Glück, geliebt zu sein, verzaubert. Gibt mir auch einen neuen Blick auf mich. In den Augen eines Anderen bin ich schön. Das ist Sekundenglück: „Der Frühling in mir bricht sich Bahn!“. Und das Glück schiebt dich an …

Herbert Grönemeyer sagt nichts über den Urheber des Glücks. Menschen, die an Gott glauben, erleben sich als Geschöpfe, erleben Glück als Gnade, erleben Glück als Geschenk und sehnen sich oft nach etwas mehr als nach einem kleinen Stück vom Glück. Nach einem Glück, das ohne Anlass auskommt. Diese „ohne Warum Freude“ ist das Glück, sich gewollt, geliebt, wertgeschätzt zu wissen von dem, der Himmel und Erde und uns alle gemacht hat.

Die „ohne Warum Freude“ ist die Freude, am Leben zu sein – hier und jetzt. Die „ohne Warum Freude“ ist vielleicht noch etwas mehr als Glück, ist vielleicht das, was die Bibel an vielen Stellen mit Seligkeit beschreibt. Glück im Sinne von „beatitude“. Jesus sagt: „Das sage ich Euch, damit meine Freude in Euch bleibe und Eure Freude vollkommen werde“.

Vollkommene Freude: Sekunden-Minuten-Stunden-Tage-Jahre-Ewigkeiten-Glück!

Dieses Glück im Sinne von Seligkeit ist in der Lage, das Schwere und Herausfordernde zu überstehen. Freude im Leid. Liebe in Not. Stärke in der Schwäche. Hoffnung in der Dunkelheit. Trost in der Trauer. Sieg in der Niederlage.

Und Jesus verbindet dieses tiefste Glück, mit der Liebe: Wenn ihr euch untereinander liebhabt, dann wird Eure Freude vollkommen sein. Und das ist doch etwas, was wir auch schon erfahren haben. Es ist die Liebe, die uns trägt. Die uns rettet. Die uns ins zurück Leben zieht.

Es ist die Liebe zu einem Du, die uns zeigt, dass wir uns nicht mehr verstellen müssen,

keine Rollen mehr spielen müssen, so sein dürfen, wie wir gemeint sind, und uns verdammt ähnlich sehen dürfen – wie Grönemeyer singt. Es ist die Liebe Gottes zu uns, die sagt:

Du bist meine geliebte Tochter, mein geliebter Sohn. Meine Liebe zu Dir rechnet nicht in Sekunden, sie gilt ohne Grenze, für die Dauer der Zeiten. Und Gott denkt, sein Herz schwappt ihm über.

Es grüßt Sie herzlich

Pfarrer Sven Teschner

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