Emscherkreuz 13

15.06. - 14.10.2021

 

Da geht noch was!?

Diese Worte weckten in mir eher negative Gefühle. Als Sportmuffel habe ich das anfeuernde “Da geht noch mehr!” bei diversen Übungen eher masochistisch verstanden. Und drücken diese vier Worte nicht den Zwang nach immer mehr aus: mehr Erfolg, mehr Geld, mehr Spaß. Also das Credo der Nie-Zufriedenen-immer-mehr-Haben-Wollenden. Leistungsdruck bis zum Burn-Out.

Und das soll zu Kirche passen? Oder zu den Beschränkungen der Corona-Zeit. Das soziale und kirchliche Leben steht doch still. Kein Gottesdienst, kein Kirchcafé, keine Gruppen. Und wenn Treffen, dann mit Abstand und Maske. Was soll da noch gehen?

Also ein mehrdeutiger Begriff, sowohl als Imperativ wie als Frage. Da geht noch was in Ickern? Wenn räumliche Gemeinschaft nicht möglich ist? Ja, und es geht sehr viel. Vor der Kirchentür hängen bunte Briefe. Kurzandachten zum Abpflücken. Kirche zum Mitnehmen. Und Segenswünsche. Für mich und zum Weiterschenken. Die Kirche ist offen. Nicht nur zum Gottesdienst, sondern zum Innehalten und Ruhigwerden. Zu einem Gespräch. Am Telefon gibt es Kurzandachten. Der direkte Draht in meinen Alltag. Da geht etwas. Jetzt und hier, völlig distanzlos (s. Seite 12).

Und das Internet. Gottesdienste im Radio und Fernsehen fand ich immer seltsam. Aber jetzt kommt meine vertraute Gemeinde zu mir in meine Wohnung. Das ist etwas anderes. Warum haben wir das nicht schon früher gemacht? Menschen den Zugang ermöglicht, die selbst nicht kommen konnten.

Auch Videokonferenzen gehören nun zum Gemeindealltag. Ob Tankstopp oder Gemeindebeirat, ich kann mich einfach dazuschalten. Gemeinsam beten, Gedanken austauschen, Veränderungen planen. Ja, die ganzen Einschränkungen werden auch zum Nährboden für neue Ideen. Da muss doch noch was gehen. Und ja, es geht. Schauen Sie hinein in das neue Emscherkreuz und probieren Sie aus, was für Sie neu geht (s. Seite 14).

Und noch in diesem Jahr werden wir wieder gemeinsam im Gottesdienst in der Kirche singen. Sie werden sehen: Da geht noch was!

Susanne Rielage
für das Redaktionsteam "Emscherkreuz"

"Emscherkreuz"

Warum der Name?

Man kommt nicht dran vorbei.
Man kommt nur drüber.
Über die Emscher.
Wer auf dem Gebiet der Kirchengemeinde, den Ortsteilen Habinghorst, Henrichenburg und Ickern, von A nach B möchte, der muss sie überqueren.
Immer wieder.
Ob an Herderstraße, Borghagener oder Wartburgstraße, vorbei am Düker,
man kommt nicht dran vorbei.
Man kommt nur drüber.
Und rechts und links der Emscher wohnen die Menschen, die zur Evangelischen Kirchengemeinde Castrop-Rauxel-Nord gehören.
Und zur Kirche gehört das Kreuz.
Man kommt nicht dran vorbei.

Emscherkreuz.
Doppeldeutlich.
Absichtsvoll.